Um die deutsche Litigation-PR-Szene ist es in den vergangenen Wochen und Monaten etwas stiller geworden. Das kann daran liegen, dass dezent im Hintergrund gearbeitet wird (was nach den marktschreierischen Versprechungen einiger PR-Agenturen, die diese Kommunikationsdisziplin mit Getöse in ihr Bauchladen-Portfolio mit aufgenommen haben, von Professionalität zeugt) oder, dass diese Dienstleistung nach wie vor ein nahezu unbeachtetes Nischendasein fristet. Das würde bedeuten: Potentielle Kunden überlassen ihren Anwälten – neben der juristischen Vertretung – auch das Kommunikationsgeschäft. Ganz anders sieht das bei unseren Nachbarn in Österreich aus. Dort scheint sich eine hoch spezialisierte Gruppe von Litigation-PR-Beratern zu etablieren, für die das Kommunikations- Consulting im Rahmen von (potentiellen) juristischen Auseinandersetzungen mehr und mehr zum Kerngeschäft wird. Agenturen wie Gaisberg Consulting [1], Ecker & Partner [2], Scholdan & Company [3] und Schneider Minar Jenewein Consulting [4] übernehmen dort mehr oder weniger transparent die Beratung von Unternehmen, die in Rechtsstreitigkeiten verwickelt sind. Die Wiener Zeitung hat dabei in einer aktuellen Geschichte [5]einen interessanten Trend ausgemacht. Danach übernehmen immer mehr Anwaltskanzleien erst dann ein Mandat mit potentieller öffentlicher Sprengkraft, wenn ein Litigation-PR-Experte mit an Bord ist.
In Deutschland stoßen Mandanten hingegen eher auf Skepsis bei ihrem Advokaten, wenn sie anregen, dass dieser mit einem Kommunikationsprofi zusammenarbeiten soll. Die Initiative geht – wenn überhaupt – in der Regel vom betroffenen Kunden aus. Deutsche Bretter sind offensichtlich dicker als die österreichischen…